GESCHICHTE

2000–2004: Erweiterung des Fernsehforschungspanels auf in Deutschland lebende EU-Bürger, Erfassung digitaler Programmangebote und die Integration psychologischer Zielgruppen

Beginnend zum 01.01.2000 wurde es möglich, die Daten der Fernsehnutzung in den Auswertungssystemen auch nach psychologischen Zielgruppen zu analysieren. Basis hierfür sind die sogenannten Sinus-Milieus der Sinus Markt- und Sozialforschung. Die erforderlichen Informationen wurden bei den Teilnehmern des Fernsehforschungspanels erhoben, sodass daraus die entsprechenden Milieuzuordnungen vorgenommen werden konnten. Diese Typologie war und ist auch heute noch bei der werbungtreibenden Wirtschaft zur Analyse von Käuferpotenzialen etabliert.

Integration der Sinus-Milieus
Die Sinus-Milieus sind ein Ansatz zur psychographischen Beschreibung von Zielgruppen, der Menschen zusammenfasst, die sich in Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Grundlegende Wertorientierungen gehen dabei ebenso in die Analyse ein wie Alltagseinstellungen zur Arbeit, zur Familie, zur Freizeit, zu Geld und Konsum.

Bedingt durch die unterschiedlichen Lebenswelten in Ost- und Westdeutschland existierten zwei Sinus-Milieu-Modelle – die Sinus-Milieus in Westdeutschland und die Sinus-Milieus in Ostdeutschland. Diese wurden im Jahr 2002 durch ein gesamtdeutsches Milieumodell ersetzt.

Veränderte Definition der Grundgesamtheit
Zum 01.01.2001 änderte sich die Grundgesamtheitsdefinition des Fernsehforschungspanels. War es bis zu diesem Zeitpunkt repräsentativ für Personen in privaten Fernsehhaushalten in Deutschland mit einem deutschen Haupteinkommensbezieher, umfasste die Grundgesamtheit ab dem 01.01.2001 auch Personen mit einem Haupteinkommensbezieher, der die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Staates besitzt. Von den 5.640 Haushalten besaß in 5.500 Haushalten der Haupteinkommensbezieher die deutsche Staatsangehörigkeit; in 140 Haushalten die eines anderen EU-Staates.

Messung digitalen Fernsehens
Bereits 1996 wurde das erste digitale Fernsehen in Deutschland ausgestrahlt – DF1 (Digitales Fernsehen 1), weitere Sender folgten. Damit wurde auch eine Messlösung für die neue Übertragungstechnik notwendig. Im Jahr 2000 begann die AGF Videoforschung mit der Erfassung der Nutzung digitaler Programmangebote.

Zunächst wurde sämtliche Nutzung, die über einen digitalen Receiver, auch Set-Top-Box genannt, der zum Empfang digitaler Programme erforderlich ist, in einer Sammelkategorie erfasst. Seit dem 01.01.2003 erfolgte dann eine sendergenaue Zuordnung der digitalen Nutzung.

Damit wurde ab diesem Zeitpunkt sowohl die Nutzung ausschließlich digitaler Sender als auch die digitale Nutzung von Sendern, die nach wie vor über analoge und digitale Wege Sendesignale verbreiten, erfasst.

Die Nutzung digitaler Programmangebote stieg in den kommenden Jahren kontinuierlich an. Verfügten Mitte 2002 rund sieben Prozent aller TV-Haushalte über digitale Empfangsmöglichkeiten bzw. nutzen digital verbreitete Programme, so hatte sich dieser Anteil zwei Jahre später bereits verdoppelt.

Abschnitte der Fernsehzuschauerforschung