AGF LEGT ERSTE NUTZUNGSDATEN ZU DIGITAL-TV VOR.

Frankfurt, 05.02.2003: Seit 1. Januar 2003 wird auch die Nutzung digitaler Programmangebote von der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) senderbezogen erfasst. Die ersten Ergebnisse zu diesen Messungen liegen jetzt vor.

Fast 8 Prozent aller TV-Haushalte verfügen heute über digitale Empfangsmöglichkeiten, wobei die große Mehrheit dieser Haushalte nach wie vor auch analog Programme empfängt. Knapp 500 Haushalte der insgesamt 5.640 AGF/GfK-Panelhaushalte verfügen über digitale Empfangsmöglichkeiten. Insgesamt entfällt ein Marktanteil von rund 4 Prozent auf die Nutzung digital ausgestrahlter Programme, wobei ca. zwei Drittel auf die auch auf analogem Weg verbreiteten privaten und öffentlich-rechtlichen Sender entfällt. Die durchschnittliche Sehdauer in digitalen Fernsehhaushalten mit 246 Minuten in den ersten beiden Wochen des Jahres ist etwas höher als die Sehdauer in rein analogen Haushalten mit 243 Minuten (bezogen auf Personen ab 3 Jahre). Die derzeit noch kleine Gruppe der digitalen Fernsehhaushalte unterscheidet sich in ihrer Struktur von den analogen Haushalten. Der Anteil der Männer und der Personen unter 50 Jahre ist deutlich höher als in einem durchschnittlichen Fernsehhaushalt. Höhere Haushaltsnettoeinkommen sind ebenso stärker vertreten wie Mehr-Personen-Haushalte und Haushalte mit Kindern.

Bisher wurde die digitale Fernsehnutzung zwar bereits als Sammelkategorie erfasst, konnte aber nicht den jeweiligen Sendern zugeordnet werden, da diese Differenzierung aus technischen Gründen nicht möglich war. Dadurch wurde die tatsächliche Nutzung der Einzelsender bisher unvollständig dargestellt. Alle AGF- und Lizenzsender strahlen zeitgleich das identische Programm sowohl analog als auch digital aus. Durch die nun von GfK Fernsehforschung realisierte Messung von Digital-TV ist es möglich, die digitale Fernsehnutzung ab sofort korrekt den ausstrahlenden Sendern zuzuordnen, deren Marktanteile bisher nur die analoge Fernsehnutzung beinhalteten.

„Für die vollständige Abbildung der Fernsehnutzung in Deutschland ist die Realisierung und Weiterentwicklung der Digital-TV-Messung unerlässlich“, so Martin Berthoud, der neue Vorstandsvorsitzende der AGF und Hauptabteilungsleiter Programmplanung ZDF. Weitere Ergebnisse und Erfahrungsberichte erwarten die Markt- und Medienforscher auf dem AGF-Forum am 3.Juli 2003 in Wiesbaden. Themenschwerpunkt des diesjährigen AGF-Forums ist Digital-TV-Nutzung.

Zum Hintergrund

Was ist eigentlich so anders an digitalem Fernsehen – und warum konnte die AGF dies bisher nicht ausweisen? Zur Senderidentifikation herkömmlicher analoger Rundfunksignale wird im AGF-Panel die Frequenz des Rundfunksignals gemessen. Wie bei Radio kann auf einer analogen Frequenz nur ein einziger Sender zur gleichen Zeit ausgestrahlt werden. Bei der digitalen Übertragung werden die TV-Signale in digitale Bits und Bytes zerlegt, und es wird nicht mehr jedes dieser Einzelbilder vollständig übertragen, sondern nur noch der Teil, der sich von Bild zu Bild tatsächlich ändert. Durch dieses Verfahren entstehen Einsparpotenziale auf den genutzten Sender-Frequenzen. Während mit dem analogen Verfahren je Frequenz nur ein Programm übertragen werden kann, können bei der digitalen Übertragung sechs bis zehn Programme gleichzeitig auf ein und derselben Frequenz übertragen werden.

Wer Fernsehprogramme digital empfangen möchte, benötigt dafür einen Digitalempfänger (auch „Set-Top-Box“ genannt), der wie ein analoger Satellitenreceiver an das Fernsehgerät angeschlossen wird. Für diese Empfänger wurde von der GfK im Auftrag der AGF eine neuartige Messtechnik entwickelt, die jetzt eingesetzt wird. Alle Panelhaushalte, die über einen eigenen Digitalreceiver für Kabel oder Satellit verfügen, werden mit einer speziellen Austausch-Set-Top-Box ausgestattet. Diese verfügt über ein zusätzliches Messprogramm, das die digitale Fernsehnutzung aufzeichnet und diese Daten an das bestehende Messgerät TC XL überträgt. Das von der AGF gewählte Verfahren zur Messung der digitalen Fernsehnutzung ermöglicht eine vollständige Erfassung aller Sender unabhängig davon, ob die entsprechenden Sender sich am System der AGF beteiligen oder nicht. Wichtige Unterschiede zwischen digitaler und analoger Verbreitung gibt es bei der Empfangbarkeit der Sender. Nur über Satellit sind alle von der AGF ausgewiesenen Sender auf beiden Wegen empfangbar. Im Kabel dagegen, das für mehr als 50% der Fernsehhaushalte die primäre Empfangsquelle ist, können nur Premiere und digitale öffentlich-rechtliche Kanäle empfangen werden. Terrestrischer Digitalempfang ist zurzeit nur im Großraum Berlin möglich. Die Messung terrestrischer Digitalprogramme wird im AGF/GfK-Fernsehpanel voraussichtlich noch im ersten Halbjahr 2003 beginnen.

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung ist seit 1988 der Auftraggeber der kontinuierlichen Fernsehforschung in Deutschland. Neben den Auftraggebern ARD, ProSiebenSat.1 Media AG, Mediengruppe RTL Deutschland und ZDF wirken Lizenzsender, Werbungtreibende und die Werbeagenturen aktiv an der Gestaltung der Fernsehforschung in der Arbeitsgemeinschaft mit. Die in der AGF zusammengeschlossenen Sender haben inzwischen mehr als 100 Mio. Euro in die Durchführung und Weiterentwicklung des Systems der Fernsehzuschauerforschung in Deutschland investiert. Auch zukünftig wird die AGF mit einem jährlichen Investitionsvolumen von rd. 20 Mio. Euro Zuschauerforschung auf höchstem Niveau garantieren.

Kontakt: Anke Weber | Leiterin AGF-Geschäftsstelle
Tel. 069 - 95 52 60 0 | Fax: 069 - 95 52 60 60 | E-Mail: Info@agf.de | www.agf.de

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