MESSUNG

Zur Messung von Bewegtbildinhalten am TV gibt es verschiedene Verfahren, die sich in der Art der Sendererkennung sowie ihrer Messtiefe unterscheiden.

Die beste Präzision und Messtiefe bieten Verfahren, bei denen der Tuner am TV-Empfangsgerät ersetzt und das Messgerät selbst als Tuner eingesetzt wird. Verfahren dieser Art werden als Substitutionslösung bezeichnet. Hiermit ist es möglich sekundengenau Sendernutzung zu erkennen, alle verfügbaren Kanäle zu identifizieren und auch zeitversetzte Nutzung präzise auf den Ausstrahlungszeitpunkt zu referenzieren. Sender werden hierbei durch drei Merkmale der sogenannten Service Informationen DVB-SI des digitalen Fernsehens eindeutig erkannt. Ferner lassen sich auch zahlreiche weitere Informationen erheben wie beispielsweise Empfangsebene, Bildformateinstellungen, Programmplatzbelegungen u.v.a.m. Dieses Verfahren ist in Deutschland 2009 mit der Messtechnik TC score eingeführt worden.

Ein ebenfalls sehr weit verbreitetes Verfahren ist das sogenannte Audiomatching, bei dem Tonsignale am Fernseher als Audiomuster abgegriffen und mit Audiomustern von rund um die Uhr an einem Server aufgezeichneten Sendern verglichen werden. Die übereinstimmenden Signale können dann einem Sender zugeordnet werden. Die Contenterkennung (Pattern Recognition) funktioniert dank leistungsfähiger Rechnersysteme und Verfahren zur pattern recognition sehr zuverlässig. Bei nicht eindeutiger Zuordnung von Content zu einem Sender (z.B. bei zeitgleicher Ausstrahlung auf mehreren Kanälen) werden zusätzliche Informationen wie zum Beispiel das regionale Empfangsspektrum oder Infrarot-Codes verwendet. Audiomatchingverfahren sind sehr universell einsetzbar, bieten jedoch nicht den gleichen Messumfang wie Substitutionlösungen, wie bspw. das Bildformat. Die AGF setzt für Audiomatching seit dem 01.08.2012 das TC UMX Messgerät ein.

Ein Verfahren, das ebenfalls pattern recognition verwendet, ist die Erkennung von Bannereinblendungen bei Umschaltvorgängen. Hierbei werden die Banner als Bild festgehalten und mit Hilfe von Schrifterkennungsverfahren (OCR - Optical Character Recognition) einem Sender zugeordnet. Daneben gibt es weitere Verfahren zur Sendererkennung in der Fernsehforschung. Beim sogenannten Coding werden dem Fernsehton für den Zuschauer nicht hörbare Signale zur Senderidentifikation beigemischt, die durch das Messgerät erkannt werden können. Die Verfahren ermöglichen ebenfalls eine präzise Sendererkennung, haben jedoch bezüglich der Abdeckung des gesamten Fernsehmarktes Nachteile, da nur die am System beteiligten Sender gemessen werden.

Für IP-basierte Bewegtbildservices sind weitere Verfahren in der Entwicklung, die darauf beruhen, dass der Netzwerktraffic zur Sendererkennung verwendet wird.

Einsatz

Welches Verfahren oder welche Kombination von Verfahren für die jeweiligen Märkte ein Optimum darstellen, hängt von spezifischen Gegebenheiten ab, wie zum Beispiel erforderliche Marktabdeckung durch das jeweilige Fernsehforschungssystem, Relevanz von IPTV, mobile TV, Pay TV oder Overspill aus dem Ausland.