ZEITVERSETZTE NUTZUNG

Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Fernsehzuschauerforschung war die Währungsumstellung zum 01.07.2009. Seit diesem Zeitpunkt erweitert die zeitversetzte Nutzung aufgezeichneter Fernsehprogramme innerhalb von drei Tagen nach Ausstrahlungstag (Produktsicht) die Leistungswerte der dahin gemessenen Live-Nutzung.

Mit der Integration trug die AGF dem verstärkten Aufzeichnen linear ausgestrahlter Fernsehprogramme auf digitalen Endgeräten (DVD-Recordern, Festplattenrecordern und HD-Recordern) - zusätzlich zu analogen Videorecordern - Rechnung.

Dabei wird zwischen zeitverzögerter und zeitversetzter Nutzung unterschieden:

  • zeitverzögerte Nutzung ist die Nutzung, die noch am gleichen (Fernseh-)Tag der Ausstrahlung stattfindet.
  • zeitversetzte Nutzung ist die Nutzung, die an den Folgetagen nach dem Ausstrahlungstag stattfindet.

Liegt die Wiedergabe mehr als drei Tage nach dem Tag der Aufzeichnung, wird die entsprechende Nutzung bei der produktbezogenen Sicht nicht berücksichtigt.

Im Gegensatz dazu geht bei der sogenannten rezipientenbezogenen Sicht die zeitversetzte Nutzung zu dem Zeitpunkt in die Leistungswerte ein, an dem sie genutzt wurde. Hierbei steht nicht das Produkt (eine bestimmte Sen dung) im Fokus, sondern die Nutzung eines Senders zu einem bestimmten Zeitpunkt durch die Rezipienten, einerlei ob es sich um Live-Nutzung oder um die Nutzung aufgezeichneter Sendungen dieses Senders handelt. Bei dieser Sichtweise ist eine Restriktion auf die Dreitagesfrist nicht erforderlich. Dadurch, dass bei dieser Sichtweise der Zeitpunkt der Aufzeichnung unerheblich ist und damit der genutzte Content je Zuschauer unterschiedlich sein kann, sind nur zeitabschnittsbezogene Auswertungen möglich.

Der Zeitraum „drei Tage nach dem Tag der Ausstrahlung“ wurde vor dem Hintergrund gewählt, dass dem Markt in einer akzeptablen Frist endgültige Daten zur Verfügung gestellt werden müssen und erfahrungsgemäß der allergrößte Teil der Nutzung aufgezeichneter Sendungen in den ersten drei Tagen nach der Aufzeichnung stattfindet.

Eine Sonderanalyse der Daten des deutschen Fernsehforschungspanels für das dritte Quartal 2011 kommt zum Ergebnis, dass circa 70 Prozent aller Nutzungen aufgezeichneter Sendungen bis zum dritten Tag nach dem Tag der Ausstrahlung erfolgen. Analysen aus Großbritannien und den USA kommen sogar zu etwas höheren Werten bis zu 80 Prozent.