GESCHICHTE

Ab 2012: Integration von IPTV, Anpassung des Anwerbeverfahrens, neue Messtechnik für neue Verbreitungswege und Nutzungsoptionen, Start des Videostreaming-Projekts

Neues Anwerbeverfahren für das Fernsehforschungspanel
Die bis dahin ausschließlich praktizierte Random-Route-Vorgehensweise sah vor, dass für die Anwerbung neuer Haushalte in einem festgelegten Point, nach vorgegebenen Regeln der Zufallsauswahl, aus einer begrenzten Anzahl ausgewählter Haushalte ein neuer Haushalt mit vorgegebener Empfangsebene, Haushaltsgröße und soziodemografischen Eigenschaften des Haupteinkommensbeziehers auszuwählen war. Das neue hybride Anwerbeverfahren ist eine Kombination aus bisherigem Random-Route-Verfahren und Quotenverfahren. Die Interviews für die Anwerbung können entweder (wie bisher) nach dem Random-Route-Verfahren oder, wenn ein Interviewer vor Ort ist, nach dem Quota-Verfahren durchgeführt werden. Das neue Verfahren erlaubt dem Interviewer eine etwas höhere Flexibilität bei der Anwerbung, wobei die räumliche Verteilung innerhalb eines Bundeslandes nach wie vor gewährleistet ist.

Einsatz von Audiomatching
Neben der Weiterentwicklung des Fernsehforschungssystems im Bereich der Panelmethodik erfordern der technische Fortschritt und neue Nutzungsoptionen des Mediums Fernsehen ebenfalls Veränderungen im Bereich der Messtechnik. Zentral hierfür zu nennen ist, dass Fernsehen in der Zwischenzeit nicht mehr nur über die bislang bekannten Wege verbreitet, sondern als IP-basierter Service angeboten wird. Damit einhergeht, dass die Empfangstechnik im Haus zunehmend proprietärer wird. Dies hat auch zur Folge, dass die Messung nicht mehr mittels Austausch (Substitution) der gekauften Geräte des Haushalts erfolgen kann.

Unter diesen veränderten Rahmenbedingungen hat sich die AGF Videoforschung entschlossen, ein ergänzendes Messverfahren Audiomatching - einzuführen. Es zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es weitgehend unabhängig von der im Haushalt genutzten Empfangstechnologie installiert werden kann und damit robust ist gegenüber der Weiterentwicklung der Empfangstechnologie insgesamt.

IPTV als vierte Empfangsebene
Erst der Einsatz des Audiomatchingverfahrens machte die Messung der IPTV-Haushalte überhaupt möglich. Die Einführung von IPTV brachte eine Erweiterung des traditionellen Empfangsebenenmodells mit sich, da die herkömmlichen Empfangsebenen Terrestrik, Kabel und Satellit um eine weitere Ebene, nämlich IPTV, ergänzt werden mussten.

Zum Stichtag 1. August 2012 wurden 1,11 Millionen Fernsehhaushalte – das sind fast 3 Prozent aller privaten Fernsehhaushalte – in die Empfangsebene IPTV aufgenommen.

Hier finden Sie die aktuelle Entwicklung der Empfangsebenen.

Videostreaming
Größte aktuelle methodische und technische Herausforderung der AGF Videoforschung ist die Erhebung der Nutzung von Videostreaming. Hierzu wurde ein eigenes Projekt aufgesetzt und Schnittstellen zum Fernsehforschungspanel definiert. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass Methodik und Messung möglichst kompatibel zum Fernsehforschungspanel sind.

Der Ausweis der Streaming-Daten erfolgt nach einem Stufenplan: Seit Anfang 2015 werden wöchentliche Hitlisten auf der Website veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die Top 10-Formate der an dem Projekt teilnehmenden Anbieter auf Basis der technischen Zensus-Messung. Seit März 2017 werden fusionierte Daten in einer Betaversion der neuen AGF-Software videoSCOPE den Anwendern bereitgestellt.

Erweiterung der Grundgesamtheit
Zum 1. Januar 2016 hat die AGF Videoforschung die Grundgesamtheit des Fernsehforschungspanels auf die deutschsprachige Bevölkerung erweitert und damit an die Grundgesamtheit der Mediastudien der agma angepasst. Die Außenvorgabe für das Fernsehforschungspanel basiert unverändert auf der jeweils aktuellsten ma Radio - für 2017 ist dies die ma 2016 Radio II. Als Basis werden alle Interviews der ma herangezogen, in denen die Fragen zum TV-Empfang vollständig erfasst sind.

Änderung der Organisationsform
Zum 1. Januar 2017 hat die AGF ihre Organisationsform geändert und firmiert seitdem als AGF Videoforschung GmbH. Geschäftsführer ist Willibald Müller. Gleichzeitig wurde der Gesellschafterkreis erweitert und umfasst neben ARD, ZDF, ProSiebenSat.1 Media und der Mediengruppe RTL Deutschland auch Sky und N24.

Abschnitte der Fernsehzuschauerforschung