TV

Kernstück der Reichweitenforschung ist das AGF-Panel, das die AGF in Kooperation mit der GfK betreibt und kontinuierlich vom TV- zum Bewegtbild-Panel weiterentwickelt. Die AGF Videoforschung hat das Panel in mehreren Ausbaustufen systematisch vergrößert. Waren es in den 1980er Jahren erst rund 2.700 Haushalte, so hat sich die Panelgröße inzwischen auf mindestens 5.400 Haushalte verdoppelt, in denen rund 11.000 Personen leben.


Grundgesamtheit

Seit Jahresbeginn 2016 ist die Grundgesamtheit die „Wohnbevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland in Privathaushalten mit mindestens einem Fernsehgerät in Gebrauch und einem deutschsprachigem Haupteinkommensbezieher“.

Mit dieser Grundgesamtheit wird die TV-Nutzung von rund 38,753 Millionen Fernsehhaushalten abgebildet, in denen an die 75,294 Millionen Personen ab 3 Jahre leben (Stand 04.01.2021).


Strukturerhebung

Im Rahmen der Strukturerhebung werden die Panelhaushalte einmal pro Jahr befragt (schriftlich: PAPI oder Online). Auf Basis dieser abgefragten Haushalts- und Personenmerkmale wird die Vielzahl an Zielgruppen gebildet, die für die Auswertungen zur Verfügung stehen. Außerdem nutzt die AGF diese Strukturinformationen zur Justierung der täglichen Gewichtung des AGF-Panels.


Außenvorgaben

Die Auswahl der Panel-Haushalte basiert auf den jährlich aktualisierten Vorgaben der Media-Analyse (ma). Da in der ma-Befragung nur Teilnehmer ab 14 Jahren befragt werden dürfen, werden die Vorgaben zu Kindern im Alter von 3 bis 13 Jahren durch Informationen aus dem Mikrozensus ergänzt. Als Außenvorgaben für das Panel werden dabei Strukturinformationen aus der jeweils aktuellen ma Radio-Tranche eingesetzt, beispielsweise die Verteilung der Empfangsebenen oder Haushaltsgrößen.

Da für das Merkmal „Plattform“, das Pay-TV-Haushalte beschreibt, keine ausreichenden Außenvorgaben aus der ma vorliegen, werden diese Informationen in der repräsentativen Plattform-Studie von Kantar ermittelt und zwei Mal pro Jahr aktualisiert.

Die Vorgaben für Sky-Haushalte sowie die Verteilung einzelner Sky-Abonnements stammen aus einem von Deloitte geprüften Audit und werden seit dem 01.01.2019 als Vorgabe für das AGF-System verwendet. Die Aktualisierung der Vorgaben erfolgt analog zu denen für Plattform-Haushalte zweimal jährlich (zum 01.01. und 01.07.).


Stichprobe

Basis der Stichprobe der Panelhaushalte ist das 2011 vom Arbeitskreis Deutscher Marktforschungsinstitute (ADM) aktualisierte ADM Stichprobensystem, das aus rund 53.000 Sampling Points besteht. Dies sind kleinräumige Flächen, die sich aus kleinen Gemeinden, Stadtteilen oder einzelnen Straßenabschnitten zusammensetzen und so das gesamte bewohnte Gebiet der Bundesrepublik abdecken. Damit hat jeder Haushalt die Chance, in die Stichprobe für die Anwerbung neuer Haushalte für das Panel zu gelangen.


Rekrutierung

Die Rekrutierung von Haushalten für das Fernsehpanel erfolgt über ein Hybridverfahren, also zwei unterschiedliche Methoden, die parallel eingesetzt werden: das Random-Route-Verfahren und das Quota-Verfahren. Im Rahmen des Random-Route-Verfahrens werden nach einem festgelegten Zufallsverfahren Haushalte ausgewählt, in denen versucht wird, ein Anwerbeinterview für das Fernsehpanel durchzuführen. Das Quota-Verfahren beschreibt keine Zufallsstichprobe, sondern basiert auf einer bewussten Auswahl von Personen oder Haushalten. Über das Verfahren soll eine repräsentative Zusammensetzung der Stichprobe erreicht werden durch die Festlegung von Quoten an bestimmten Merkmalen, deren Verteilung in der Grundgesamtheit bekannt sein muss. In das Panel aufgenommen werden letztendlich dann diejenigen Haushalte, die zur Erfüllung der Sollvorgaben benötigt werden.


Gewichtung

Die Panel-Haushalte verteilen sich über ganz Deutschland, wobei in jedem Bundesland mindestens 218 repräsentative Haushalte zur Verfügung stehen. Dadurch stellt die AGF sicher, dass auch für kleinere Bundesländer ausreichend Haushalte vorhanden sind, um auch lokale Fernsehanbieter erheben zu können.

Die damit verbundene disproportionale Verteilung der Haushalte in den Bundesländern wird über die tägliche Gewichtung wieder ausgeglichen, die Über- oder Unterdeckungen bestimmter Merkmale verhindern soll.

Die Gewichtung erfolgt in zwei Schritten:

  • Die vorläufige Gewichtung erfolgt täglich, nachdem die GfK die nachts abgerufenen Daten übertragen und geprüft hat. Auf dieser Basis entstehen die TV-Quoten zur Fernsehnutzung des Vortages.
  • Bei der endgültigen Gewichtung werden drei Tage später die während dieser Zeitspanne zusätzlich abgerufenen Haushalte mit einbezogen und die vorläufigen Gewichtungsfaktoren durch die endgültigen Faktoren überschrieben. Zusätzlich fließt die zeitversetzte Nutzung mit ein, die in den drei zurückliegenden Tagen stattgefunden hat.

Das Gewichtungsverfahren gewährleistet eine exakte Hochrechnung auf alle TV- beziehungsweise Bewegtbildhaushalte und alle darin lebenden Personen ab drei Jahren in ganz Deutschland.


Empfangsebenen

Im Panel werden vier Empfangsebenen unterschieden, die als eigenständiges Merkmal sowohl bei der Anwerbung als auch bei der Gewichtung zählen:

  • IPTV: Empfang der Programme über IPTV.
  • Satellit: Empfang der Programme über eine Satellitenschüssel oder einen eigenen Satelliten-Receiver.
  • Kabel: Empfang der Programme über einen Kabelanschluss.
  • Terrestrik: Haushalt, der eine DVB-T-Empfangsmöglichkeit besitzt.

Den größten Anteil hat derzeit der Satelliten-Empfang.

Entwicklung der TV-Empfangsebenen (Haushalte in %)

© Quelle: AGF Videoforschung in Zusammenarbeit mit GfK; VIDEOSCOPE 1.4, Haushalte, 01.01.2021, Marktstandard: TV; 05.01.2021